4.699 €: Das eVscope 2 ist das einzige Unistellar mit einem Mikro-OLED-Okular von Nikon. Es ist zugleich das teuerste Gerät der Baureihe — bei einer Optik, die mit der des eQuinox 2 identisch ist, das 2.100 € weniger kostet.
Kurzfazit in drei Zeilen
Am 14. September 2021 vorgestellt, ist das eVscope 2 ein Newton mit 114 mm Öffnung bei f/4 und 450 mm Brennweite, dazu ein Sony IMX347 mit 7,7 MP, eine alt-azimutale GoTo-Montierung, 64 GB Speicher und 9 kg Gesamtgewicht (7 kg Tubus, 2 kg Stativ). Sein eigentliches Erkennungsmerkmal ist das Mikro-OLED-Okular von Nikon, das erste der Baureihe: Man setzt das Auge an und sieht das verarbeitete Bild in Echtzeit. Das erweiterte Feld von 0,57° × 0,76° lässt den ganzen Mond ins Bild passen, was das ursprüngliche eVscope nicht schaffte. Enhanced Vision stapelt die Einzelbelichtungen etwa alle vier Sekunden und arbeitet am Deep-Sky-Himmel sehr wirkungsvoll. Kein Abonnement: Die App für iOS und Android ist kostenlos, alle Funktionen sind enthalten.
Das Problem liegt woanders. Für 4.699 € bleibt die Bildqualität gemessen am Preis zurück, und der fehlende Autofokus erzwingt eine langsame manuelle Scharfstellung, bei der jede Berührung des Fokusrings den Tubus bewegt. Der Zugriff auf die RAW-Dateien war historisch mühsam: Er führte zwingend über die Unistellar-Server und den Kundensupport, mit Wartezeiten bis zu einer Woche — ein Tester fasste das als große verpasste Gelegenheit zusammen. Wenn Sie das Okular nicht zwingend brauchen, liefert das Unistellar eQuinox 2 für 2.599 € exakt dieselben Bilder. Wenn Sie das OLED-Okular in leichterer Form wollen, lohnt der Blick auf das Unistellar Odyssey Pro für 4.199 €.
Das eVscope 2 passt zu Ihnen, wenn …
- Sie das Auge an ein Okular setzen wollen: Das Mikro-OLED von Nikon ist das einzige der Baureihe und bleibt die Hauptrechtfertigung für die 2.100 € Abstand zum eQuinox 2.
- Sie in der Gruppe beobachten: Bis zu 10 Nutzer können sich gleichzeitig verbinden, was das Gerät zu einem hervorragenden Vermittlungswerkzeug im Verein oder bei öffentlichen Beobachtungsabenden macht.
- Deep Sky Ihr Hauptrevier ist: Enhanced Vision stapelt die Belichtungen etwa alle vier Sekunden und lässt schwache Objekte vor den Augen des Publikums erscheinen.
- Sie Abonnements ablehnen: Die App ist kostenlos, ohne Premium-Stufe und ohne nach dem Kauf gesperrte Funktionen.
- Sie mit Ihrer Ausrüstung unterwegs sind: 9 kg komplett, und ein Transportrucksack liegt ab Werk bei.
Nicht geeignet, wenn …
- Sie häufig nachfokussieren: kein Autofokus, langsame manuelle Prozedur, und das Berühren des Fokusrings bewegt den Tubus.
- Sie Ihre Bilder selbst bearbeiten wollen: Das Auslesen der RAW-Dateien ist historisch mühsam, über die Unistellar-Server und den Kundensupport, mit Wartezeiten bis zu einer Woche.
- Sie nach Preis-Leistung urteilen: Die Bildqualität bleibt gemessen an den verlangten 4.699 € zurück, und das eQuinox 2 liefert dieselbe Optik für 2.100 € weniger.
- Sie das Instrument viel bewegen: kein Tragegriff an einem 9-kg-Gerät dieser Preisklasse.
Was es in der Praxis leistet
Deep Sky
Hier überzeugt das eVscope 2. Enhanced Vision summiert die Belichtungen etwa alle vier Sekunden, und der Signalaufbau ist live sichtbar, auf dem Tablet wie im Okular: Eine Galaxie, die im ersten Bild unsichtbar ist, zeichnet sich binnen weniger Minuten ab. Der IMX347 mit 7,7 MP und die 114 mm bei f/4 ergeben saubere Bildausschnitte an kompakten Objekten, in einem Feld von 0,57° × 0,76°, das für große Strukturen eng bleibt. Und das alles ohne Einnordung. Bleibt, dass das Ergebnis, so respektabel es ist, sich nicht von dem des halb so teuren eQuinox 2 unterscheidet.
Mond und Sonne
Das erweiterte Feld der zweiten Generation lässt den ganzen Mond ins Bild passen, was das ursprüngliche eVscope nicht konnte: ein klarer Gewinn für öffentliche Veranstaltungen, bei denen man die vollständige Scheibe zeigen will statt eines Ausschnitts. Bei 450 mm Brennweite bleibt der Abbildungsmaßstab bescheiden: Kraternahaufnahmen sind nicht die Bestimmung des Geräts. Für die Sonne liegt keine Filterlösung bei, und die Regel ist absolut: Ohne zertifizierten Sonnenfilter vor der Optik richtet man das Gerät niemals auf die Sonne.
Planeten
Erwarten Sie kein Wunder. Ein Newton mit 450 mm Brennweite bei f/4 sammelt Licht von schwachen, ausgedehnten Objekten, er tastet kein Planetenscheibchen fein ab. Die Optik ist identisch mit der des eQuinox 2, dessen Planetenmodus im Test enttäuscht, insbesondere am Mars: Es gibt keinen Grund, hier Besseres zu erwarten. Das OLED-Okular macht die Übung in der Gruppe angenehmer, aber es erzeugt keine Details, die die Optik nicht geliefert hat.
Das OLED-Okular und der Gruppeneinsatz: der eigentliche Kaufgrund
Zwischen eVscope 2 und eQuinox 2 kauft man die 2.100 € Unterschied für das Okular und den gemeinschaftlichen Einsatz. Das Mikro-OLED von Nikon gibt die direkte Beobachtung zurück, Auge am Instrument, was eine Bildschirmfreigabe nicht ersetzt. Rechnen Sie zehn gleichzeitig verbundene Nutzer hinzu, und Sie haben ein starkes Vermittlungswerkzeug: Eine Person schaut ins Okular, während die neun anderen dasselbe Ziel auf ihrem Telefon verfolgen. Astronomieverein, Wissenschaftsvermittlung, Familienabend — dieses Szenario rechtfertigt den Aufpreis.
Stärken
- Mikro-OLED-Okular von Nikon, einzigartig im Unistellar-Programm.
- Erweitertes Feld: Der ganze Mond passt ins Bild, anders als beim ursprünglichen eVscope.
- Enhanced Vision mit automatischem Stacking etwa alle vier Sekunden, am Deep-Sky-Himmel sehr wirkungsvoll.
- Bis zu 10 gleichzeitig verbundene Nutzer: hervorragendes Werkzeug für Vermittlung und Gruppen.
- Kein Abonnement, kostenlose App und mitgelieferter Transportrucksack.
Schwächen
- Kein Autofokus: langsame manuelle Scharfstellung, und das Berühren des Fokusrings bewegt den Tubus.
- Zugriff auf die RAW-Dateien historisch mühsam, über die Unistellar-Server und den Support, mit Wartezeiten bis zu einer Woche.
- Bildqualität bleibt gemessen an den verlangten 4.699 € zurück.
- Kein Tragegriff an einem 9-kg-Gerät dieser Preisklasse.
- Laufzeit von 9 h, weniger als die 11 h des deutlich günstigeren eQuinox 2.
Das eVscope 2 gegen seine direkten Konkurrenten
eVscope 2 gegen Unistellar eQuinox 2
Derselbe 114-mm-Newton mit f/4, dieselbe Montierung, dieselben 64 GB, dieselben 9 kg: Das eQuinox 2 für 2.599 € liefert dieselben Bilder wie das eVscope 2 für 4.699 €, dazu 11 Stunden Laufzeit statt 9. Das eVscope 2 bringt das OLED-Okular und 7,7 MP gegenüber 6,2 MP ein. Wenn Sie nicht durch ein Okular schauen müssen, macht das eQuinox 2 diese 2.100 € Abstand sehr schwer zu verteidigen.
eVscope 2 gegen Unistellar Odyssey Pro
Das Odyssey Pro für 4.199 € bietet ebenfalls ein OLED-Okular in kompakterer Form, allerdings mit 85 mm Öffnung gegenüber 114 mm. Das eVscope 2 behält den Vorteil beim Lichtsammelvermögen, das am Deep-Sky-Himmel entscheidet. Das Odyssey Pro ist das eVscope 2 für alle, die zu Fuß gehen; das eVscope 2 bleibt das Gerät für alle, die Öffnung wollen.
eVscope 2 gegen Celestron Origin Mark II
Das Celestron Origin Mark II für 5.299 € stellt ein 152-mm-RASA mit f/2,2 auf: deutlich mehr Öffnung und Geschwindigkeit, aber 18,87 kg gegenüber 9 kg und kein Okular. Das Origin Mark II gewinnt auf dem optischen Papier, das eVscope 2 gewinnt in dem Moment, in dem das Instrument getragen werden muss oder jemand hineinschauen soll.
Alternativen nach Budget
- Um 2.400 €: das Unistellar Odyssey für 2.399 €, mit 6,5 kg das leichteste der Baureihe, ohne Okular.
- Um 2.600 €: das Unistellar eQuinox 2 für 2.599 €, dieselbe Optik wie das eVscope 2 und die bessere Laufzeit.
- Um 4.200 €: das Unistellar Odyssey Pro für 4.199 €, ebenfalls mit OLED-Okular und kompakter.
- Über 5.000 €: das Celestron Origin Mark II für 5.299 €, für alle, die 152 mm Öffnung wollen und das Gerät nicht tragen müssen.
Häufige Fragen
Verlangt das eVscope 2 ein Abonnement?
Nein. Die Unistellar-App für iOS und Android ist kostenlos, und alle Funktionen sind im Kaufpreis enthalten — ohne kostenpflichtige Stufe und ohne berechneten Online-Dienst.
Beträgt die Laufzeit 9 oder 12 Stunden?
Neun Stunden. Die Angabe von 12 Stunden stammt aus einer älteren Dokumentation; der offiziell gültige Wert lautet 9 Stunden, also weniger als die 11 Stunden des eQuinox 2, das dennoch 2.100 € günstiger verkauft wird.
Lassen sich die RAW-Dateien einfach auslesen?
Historisch nicht, und das ist der schärfste Vorwurf an das Gerät: Der Weg führte über die Unistellar-Server und eine Anfrage beim Support, mit Wartezeiten bis zu einer Woche. Wenn Ihnen die eigene Bildbearbeitung wichtig ist, prüfen Sie den Stand dieser Funktion in der aktuellen App-Version vor dem Kauf.
Gibt es einen Autofokus?
Nein, die Scharfstellung erfolgt vollständig manuell und ist langsam. Störender noch: Das Berühren des Fokusrings bewegt den Tubus, sodass man vor der Beurteilung des Ergebnisses die Beruhigung abwarten muss.
Wie viele Personen können gleichzeitig beobachten?
Bis zu zehn Nutzer können sich gleichzeitig von ihrem Smartphone oder Tablet aus verbinden, während eine elfte Person ins Mikro-OLED-Okular schaut. Das ist der größte Trumpf dieses Modells für Vereine und öffentliche Veranstaltungen.
| Optiktyp | Newton (Nikon-OLED-Okular) |
| Öffnung | 114 mm |
| Brennweite | 450 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4 |
| Sensor | Sony IMX347 |
| Auflösung | 7,7 Mpx |
| Sichtfeld | 0,57° × 0,76° |
| Montierung | Motorisierte azimutale Montierung |
| Akkulaufzeit | 9 h |
| Speicher | 64 GB (eMMC) |
| Gewicht | 7 kg (9 kg mit Stativ) |
| Richtpreis | 4 € |
| Äquatorialmodus | Nein — azimutal |
| Integrierte Filter | Nein — Deep-Dark-Softwareverarbeitung |
| Mosaik | Nein |
| Stativ enthalten | Ja |
| Abo erforderlich | Nein — alle Funktionen inklusive |
| Konnektivität | Wi-Fi |
| Markteinführung | 09/2021 |
| Verfügbarkeit | Verfügbar |
| Richtpreis (US) | $4999 |