Für 4.199 € bietet der Unistellar Odyssey Pro dasselbe gemeinsam mit Nikon entwickelte Mikro-OLED-Okular wie der Unistellar eVscope 2 für 4.699 €, in einem Gehäuse von 4 kg statt 7 kg. Die gesparten 500 € gehen jedoch zulasten der Optik: 85 mm Öffnung gegen 114 mm, 4,1 Mpx gegen 7,7 und fünf Stunden Laufzeit gegen neun.
Das Urteil in 20 Sekunden
Nehmen Sie den eVscope 2, wenn Deep Sky Ihr Hauptziel ist und Sie von einem festen Standort aus beobachten: 114 mm Öffnung, 450 mm Brennweite, 7,7 Mpx und 9 h Laufzeit. Er sammelt von beiden deutlich mehr Licht, und dieser Abstand ist nicht symbolisch.
Nehmen Sie den Odyssey Pro, wenn Sie Ihr Instrument tragen müssen: 4 kg statt 7, eine 320-mm-Optik mit f/3,9, dasselbe Mikro-OLED-Okular und ein direkter RAW- und FITS-Export aus der App. Sie geben Öffnung und Auflösung ab und gewinnen Mobilität. Der Zugang zur App samt Katalog und Citizen-Science-Programmen ist bei beiden im Kaufpreis enthalten, ein Abonnement fällt nicht an.
Die Daten nebeneinander
| Kriterium | Unistellar eVscope 2 | Unistellar Odyssey Pro |
|---|---|---|
| Richtpreis | 4.699 € | 4.199 € |
| Öffnung | 114 mm | 85 mm |
| Brennweite | 450 mm | 320 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4 | f/3,9 |
| Sensor | Sony IMX347 | Sony IMX415, von Unistellar nicht bestätigt |
| Auflösung | 7,7 Mpx | 4,1 Mpx als Bildausgabe |
| Bildfeld | 0,57° × 0,76° | 0,56° × 0,75° |
| Montierung | Motorisierte Alt-Azimutal-Montierung | Motorisierte Alt-Azimutal-Montierung |
| Äquatorialmodus | Nein, azimutal | Nein, azimutal |
| Integrierte Filter | Nein, Software-Verarbeitung Deep Dark | Nein, Software-Verarbeitung Deep Dark |
| Mosaik | Nein | Nein |
| Laufzeit | 9 h | 5 h |
| Speicher | 64 GB (eMMC) | 64 GB (eMMC) |
| Gewicht | 7 kg | 4 kg |
| Stativ enthalten | Ja | Ja |
Was sie wirklich trennt
Öffnung und Lichtsammelleistung
114 mm gegen 85 mm: Das ist im Deep-Sky-Bereich die einzige Zahl, die wirklich zählt, und sie fällt eindeutig aus. Der Odyssey Pro kontert mit f/3,9 gegen f/4, doch dieser Unterschied im Öffnungsverhältnis ist viel zu gering, um 29 mm Durchmesser auszugleichen. An lichtschwachen Galaxien und blassen Nebeln holt der eVscope 2 ein Signal heraus, das die 85-mm-Optik schlicht nicht erreicht. Der Odyssey Pro behält einen Nebenvorteil: Seine kürzere Brennweite von 320 mm gegen 450 mm stellt geringere Ansprüche an die Nachführstabilität und verzeiht leichten Wind eher. Das ändert an der Rangfolge nichts. Sieger: eVscope 2.
Sensor, Auflösung und Bildfeld
Im eVscope 2 arbeitet ein Sony IMX347 mit 7,7 Mpx. Für den Odyssey Pro kursiert ein Sony IMX415, von Unistellar allerdings nicht bestätigt; gesichert ist nur die Bildausgabe mit 4,1 Mpx. Praktisch bedeutet das: Beim Zuschneiden eines Ausschnitts aus einer Aufnahme des Ringnebels oder einer kleinen Galaxie hat der eVscope 2 fast doppelt so viele Pixel in Reserve. Das Bildfeld ist dagegen praktisch identisch, 0,57° × 0,76° gegen 0,56° × 0,75° — beide zeigen also denselben Himmelsausschnitt, der eVscope 2 nur feiner aufgelöst. Wer ausgedehnte Objekte einfangen will, wird bei beiden an dieselbe Grenze stoßen, denn keiner der beiden beherrscht Mosaikaufnahmen. Sieger: eVscope 2.
Laufzeit, Gewicht und Transport
Hier dreht sich das Bild teilweise. Der eVscope 2 hält 9 h durch, der Odyssey Pro 5 h — ein realer Unterschied, wenn Sie eine ganze Winternacht durchbeobachten wollen, ohne eine Powerbank mitzuschleppen. Auf der Waage kehrt sich das Verhältnis jedoch um: 4 kg gegen 7 kg. Diese 3 kg entscheiden darüber, ob das Gerät samt Stativ in einen Rucksack passt, den man eine Stunde bergauf trägt, oder ob es im Kofferraum bleibt. Wer einen festen Beobachtungsplatz hat, wird die Laufzeit höher gewichten; wer die Lichtverschmutzung zu Fuß hinter sich lässt, das Gewicht. Da diese Rubrik den Transport bewertet und fünf Stunden für die meisten Sessions ausreichen, geht sie an das leichtere Gerät. Sieger: Odyssey Pro.
Okular, Fokussierung und Dateizugriff
Beide tragen dasselbe Mikro-OLED-Okular aus der Zusammenarbeit mit Nikon — das eigentliche Verkaufsargument der Pro-Varianten und der Grund, sie überhaupt gegeneinander zu stellen. Man beobachtet mit dem Auge am Okular statt nur auf dem Tablet, und dieser Unterschied trägt weiter, als technische Daten vermuten lassen. Bei der Scharfstellung trennen sich die Wege: Der eVscope 2 besitzt keinen Autofokus, die Fokussierung erfolgt von Hand über eine Bahtinov-Maske und muss bei Temperaturwechseln nachgeführt werden. Der Odyssey Pro nimmt Ihnen diesen Schritt ab. Beim Dateizugriff erlauben beide den Export als RAW und FITS direkt aus der App, was für die Weiterverarbeitung in Siril oder PixInsight entscheidend ist. Sieger: Odyssey Pro.
Welches Gerät für welchen Einsatz
Für den Einstieg
Beide sind für einen ersten Kauf reichlich teuer, und wer nur ausprobieren will, ist in unserem Ratgeber für Einsteiger besser aufgehoben. Muss es eines der beiden sein, spricht der Autofokus für das kompaktere Modell: eine Fehlerquelle weniger in den ersten Nächten, dazu 500 € weniger Einsatz. Sieger: Odyssey Pro.
Für Deep Sky
29 mm mehr Öffnung und fast doppelt so viele Pixel — an schwachen Galaxien, Kugelsternhaufen und blassen Nebeln entscheidet das jede einzelne Nacht. Wer diesen Anwendungsfall vertiefen will, findet in unserer Deep-Sky-Auswahl die weiteren Kandidaten. Sieger: eVscope 2.
Für die Beobachtung aus der Stadt
Beide setzen auf dieselbe Deep-Dark-Software statt auf physische Filter, die Verarbeitung ist also identisch. Unter aufgehelltem Himmel zählt allein, wie viel Nutzsignal überhaupt ankommt, bevor der Algorithmus arbeitet — und das ist eine Frage der Öffnung. Mehr dazu in unserem Stadtvergleich. Sieger: eVscope 2.
Für Gruppen und Vorführungen
Bei einem Vereinsabend oder im Schulhof reichen Sie das Okular herum, und 9 h Laufzeit überstehen eine lange Veranstaltung ohne Steckdose. Das höhere Gewicht spielt keine Rolle, wenn das Gerät ohnehin den ganzen Abend an einem Platz steht, und das hellere Bild überzeugt Gäste sofort. Sieger: eVscope 2.
Für unterwegs
4 kg gegen 7 kg, dazu ein kleineres Packmaß: Für Bergtouren, Reisen mit Handgepäck oder jede Fahrt zu einem dunklen Standort ist die Sache klar. Weitere mobile Optionen führt unser Ratgeber für unterwegs auf. Sieger: Odyssey Pro.
Häufige Fragen
Ist für eines der beiden Geräte ein Abonnement nötig?
Nein. Die Unistellar-App mit Objektkatalog, Bildverarbeitung und den Citizen-Science-Programmen ist bei beiden Modellen im Kaufpreis enthalten. Es gibt keine wiederkehrende Gebühr und keine Funktion, die hinter einer Bezahlschranke liegt.
Hat der eVscope 2 einen Autofokus?
Nein. Trotz seines höheren Preises wird der eVscope 2 von Hand scharfgestellt, üblicherweise mit einer Bahtinov-Maske. Bei stärkeren Temperaturschwankungen im Lauf der Nacht muss nachfokussiert werden. Der Odyssey Pro übernimmt diesen Schritt automatisch.
Beträgt die Laufzeit des eVscope 2 nun 9 oder 12 Stunden?
9 Stunden. Die Zahl 12 stammt aus älteren Angaben und wird gelegentlich weitergereicht. Wer mehr Reserve braucht, sollte den Unistellar eQuinox 2 ansehen, der 11 h erreicht — allerdings ohne Okular, wie unser Vergleich eQuinox 2 gegen eVscope 2 zeigt.
Welcher Sensor steckt tatsächlich im Odyssey Pro?
Ein Sony IMX415 gilt als wahrscheinlich, ist von Unistellar aber nicht bestätigt worden. Belastbar ist allein die Bildausgabe mit 4,1 Mpx. Wer auf eine gesicherte Sensorangabe Wert legt, sollte diese Unsicherheit einkalkulieren. Dasselbe gilt für den einfachen Unistellar Odyssey, den wir im Vergleich Odyssey gegen Odyssey Pro behandeln.
Gibt es in diesem Budget mehr Öffnung?
Ja. Das Celestron Origin bietet spürbar mehr Durchmesser, verzichtet dafür aber auf ein Okular und setzt vollständig auf die Tablet-Beobachtung — nachzulesen in Celestron Origin gegen Odyssey Pro. Einen Überblick über alle Paarungen gibt unser Vergleichs-Hub.