Nehmen Sie das ZWO Seestar S30 für 399 €: Es ist ab Werk vollständig, während der DwarfLab Dwarf 3, je nach Händler zwischen 529 und 599 € gelistet, zusätzlich den Kauf eines Stativs verlangt. Das einzige Kriterium, das dieses Urteil kippen kann, ist die Auflösung: 8,3 MP gegen 2,1 MP – ein Abstand, der den Aufpreis rechtfertigt, wenn Sie beschneiden oder drucken wollen.
Das Urteil in 20 Sekunden
Nehmen Sie das Seestar S30, wenn Sie einsteigen und heute Abend fotografieren wollen: 399 €, Carbonstativ und Tasche inklusive, Sonnenfilter mitgeliefert, 1,65 kg, durchgehende Automatisierung. Nichts nachzukaufen, nichts einzustellen.
Nehmen Sie den Dwarf 3, wenn Sie Ihre Dateien behalten und weiterbearbeiten wollen: 8,3 MP auf einem Feld von 2,93° × 1,65°, drei aus der App umschaltbare Filter, 128 GB Speicher und eine in dieser Klasse einmalige IP54-Zertifizierung. Vorausgesetzt, Sie akzeptieren das reale Budget: Stativ nicht im Lieferumfang, und für den EQ-Modus ein zweites, äquatoriales Stativ.
Die Zahlen im direkten Vergleich
| Kriterium | ZWO Seestar S30 | DwarfLab Dwarf 3 |
|---|---|---|
| Richtpreis | 399 € | 549 € (Spanne 529 bis 599 €) |
| Öffnung | 30 mm | 35 mm |
| Brennweite | 150 mm | 150 mm (äquiv. 737 mm) |
| Öffnungsverhältnis | f/5 | f/4,3 |
| Sensor | Sony IMX662 (Starvis 2) | Sony IMX678 (Starvis 2) |
| Auflösung | 2,1 MP | 8,3 MP |
| Gesichtsfeld | 1,20° × 2,13° | 2,93° × 1,65° |
| Montierung | Motorisierte Alt-Azimutalmontierung | Motorisierte Alt-Azimutalmontierung |
| Äquatorialer Modus | Ja, TH10-Kopf optional | Ja, Belichtungen bis 60 s, EQ-Stativ nicht im Lieferumfang |
| Integrierte Filter | UV/IR-Cut, Dualband Hα/OIII, Dark; Sonnenfilter mitgeliefert | 3 umschaltbare Filter: VIS, Astro, Dualband Hα/OIII; Sonnenfilter mitgeliefert |
| Mosaik | Ja | Ja, 2×2-Panorama |
| Laufzeit | 6 h | 5,5 h angegeben, rund 4 h im Test |
| Speicher | 64 GB (eMMC) | 128 GB (eMMC) |
| Gewicht | 1,65 kg | 1,3 kg |
| Stativ im Lieferumfang | Ja, Carbon | Nein |
Was sie wirklich trennt
Optik und Lichtsammelvermögen
Das S30 ist ein apochromatischer Triplet-Refraktor mit 30 mm Öffnung und 150 mm Brennweite, geöffnet auf f/5. Der Dwarf 3 setzt dagegen einen Doppelobjektiv-Aufbau: einen apochromatischen Telekanal mit 35 mm Öffnung, ebenfalls 150 mm Brennweite (äquivalent 737 mm im Kleinbildformat), geöffnet auf f/4,3, ergänzt um ein Weitwinkelobjektiv. Fünf Millimeter mehr Öffnung und ein etwas schnelleres Öffnungsverhältnis – der Abstand bleibt in der Praxis überschaubar: Keines der beiden Geräte sammelt genug Licht für lichtschwache Galaxien, und mit 150 mm Brennweite ist die Planetenfotografie für beide erledigt. Sieger in diesem Punkt, knapp: der Dwarf 3.
Sensor, Auflösung und Gesichtsfeld
Hier fällt die Entscheidung. Das S30 arbeitet mit einem Sony IMX662 Starvis 2 mit 2,1 MP und fasst 1,20° × 2,13°. Der Dwarf 3 setzt einen Sony IMX678 Starvis 2 mit 8,3 MP in 3.840 × 2.160 ein, verteilt über 2,93° × 1,65°: fast die vierfache Auflösung, dazu ein noch weiteres Feld. Das S30 fasst Orion oder den Cirrusnebel ohne Mosaik; der Dwarf 3 schafft dasselbe und lässt noch Reserve zum Beschneiden oder für den großformatigen Druck. Mosaiken beherrschen beide. Sieger ohne jede Diskussion: der Dwarf 3.
Laufzeit, Gewicht und Transport
Auf der Waage ist der Dwarf 3 der Leichtere: 1,3 kg gegen 1,65 kg. Doch das S30 kommt mit Carbonstativ und Tasche, also 2,12 kg reisefertig und handgepäcktauglich, während der Dwarf 3 nackt geliefert wird und den Kauf eines Stativs erzwingt – und für den EQ-Modus eines zweiten, äquatorialen Modells. Bei der Ausdauer nennt ZWO 6 h gegen 5,5 h, und der Dwarf 3 fällt im Test auf rund 4 h zurück; die Laufzeit des S30 bricht dafür unter 0 °C deutlich ein. Einen Punkt holt der Dwarf 3 mit seiner IP54-Zertifizierung zurück. Sieger beim realen Transport, weil vollständig: das S30.
Filter, Software und reale Kosten
Das S30 integriert einen UV/IR-Cut, einen Dualband-Filter Hα/OIII (OIII 30 nm, Hα 20 nm) und einen Dark, dazu den mitgelieferten magnetischen Sonnenfilter. Der Dwarf 3 bietet mehr: drei aus der App umschaltbare Filter, VIS 430–650 nm, Astro 430–690 nm und Dualband Hα 656,3 nm / OIII 500,7 nm, plus Sonnenfilter, und 128 GB Speicher gegen 64 GB. Ein Abonnement verlangt keines der beiden Geräte. Die realen Kosten laufen dagegen deutlich auseinander: 399 € komplett auf der einen Seite, 529 bis 599 € je nach Händler auf der anderen, zuzüglich Stativ und anschließend EQ-Stativ. Tadellos ist das S30 dabei auch nicht, sein EQ-Modus führt über den separat verkauften TH10-Kopf. Sieger bei den Filtern: der Dwarf 3. Sieger bei den realen Kosten: das S30.
Welches Modell für welchen Einsatz
Für den Einstieg
Das S30, ohne zu zögern. Aufstellen, in der App ein Ziel wählen, und eine Stunde später liegt ein verwertbares Nebelbild vor: keine Polausrichtung, keine Kollimation, kein Zusatzkauf. Der Dwarf 3 verlangt vor der ersten Nacht mindestens ein Stativ – genau die Hürde, auf die ein Einsteiger keine Lust hat. Urteil: Seestar S30.
Für große Nebel
Der Dwarf 3 gewinnt gleich auf beiden Ebenen: 2,93° × 1,65° gegen 1,20° × 2,13° und 8,3 MP gegen 2,1 MP. Mehr Feld und mehr Detail, dazu das 2×2-Panorama für alles, was noch übersteht. Das S30 bleibt bei Orion ordentlich, mithalten kann es nicht. Urteil: Dwarf 3.
Für kleine Objekte und Galaxien
Hier ist keines der beiden Geräte am richtigen Platz: 150 mm Brennweite auf beiden Seiten, 30 beziehungsweise 35 mm Öffnung – zu wenig für Objekte geringer Flächenhelligkeit. Sind Galaxien Ihre Priorität, zielen Sie auf das ZWO Seestar S50 mit seinen 250 mm Brennweite; der direkte Vergleich S50 gegen Dwarf 3 ordnet das ein. Unter unseren beiden Kandidaten erlauben die 8,3 MP des Dwarf 3 immerhin einen nutzbaren Beschnitt. Urteil: Dwarf 3, mangels Alternative.
Für den Einsatz in der Stadt
Beide verfügen über einen integrierten Hα/OIII-Dualband-Filter, die gemeinsame Stärke dieser Kategorie. Das S30 leistet unter Vorstadthimmel bemerkenswerte Arbeit an Emissionsnebeln, doch der Dwarf 3 bietet drei umschaltbare Filter, darunter einen Astro 430–690 nm, der bei Galaxien mehr Signal durchlässt. Urteil: Dwarf 3.
Für unterwegs
Auf dem Etikett gewinnt der Dwarf 3 mit 1,3 kg. Im Rucksack nicht: Dort kommt ein Stativ dazu, während die 2,12 kg des S30 Carbonstativ und Tasche bereits enthalten und ins Handgepäck passen. Zählt für Sie wirklich nur das Gewicht, sehen Sie sich eher den DwarfLab Dwarf Mini mit seinen 840 g an. Urteil: Seestar S30.
Häufige Fragen
Wird der Dwarf 3 mit Stativ geliefert?
Nein. Der Dwarf 3 wird nackt verkauft, anders als das Seestar S30 mit seinem Carbonstativ. Planen Sie diesen Kauf ein, dazu ein separates äquatoriales Stativ für den EQ-Modus mit seinen 60-Sekunden-Belichtungen.
Ist der äquatoriale Modus beim Seestar S30 enthalten?
Ebenfalls nein. Das S30 erlaubt längere Belichtungen im äquatorialen Modus, setzt dafür aber den separat verkauften TH10-Kopf voraus. Ohne ihn begrenzt die Bildfelddrehung die Dauer jeder Einzelaufnahme. Beide Hersteller lassen sich den EQ-Modus also bezahlen.
Welches Gerät liefert die besseren Bilder?
Der Dwarf 3, wegen des Sensors: 8,3 MP gegen 2,1 MP auf einem weiteren Feld. Er liefert Dateien, die sich beschneiden und drucken lassen, während das S30 auf die Bildschirmansicht beschränkt bleibt. Wer mit 8,3 MP bei ZWO bleiben will, muss zum ZWO Seestar S30 Pro greifen.
Braucht eines der beiden Geräte ein Abonnement?
Nein. Stacking, Mehrnacht-Planung, Mosaik und Bildbearbeitung sind auf beiden Seiten enthalten, ohne wiederkehrende Zahlung.
Lassen sich damit Planeten aufnehmen?
Nein, und das ist eine Grenze der gesamten Gerätefamilie statt ein Mangel eines einzelnen Modells. Mit 150 mm Brennweite auf beiden Seiten bleiben Jupiter und Saturn kleine Flecken. Andere Ansätze finden Sie in allen Vergleichen, etwa im Duell S30 gegen S50.