Gleicher 50-mm-Tubus, gleiches Gewicht, gleiche kostenlose App — und dennoch ist der Abstand zwischen dem Vaonis Vespera von 2020 und dem Vaonis Vespera II der größte im gesamten Vaonis-Programm: Der Sensor steigt von 2 auf 8,3 Megapixel, die Brennweite von 200 auf 250 mm. Das ist kein kosmetisches Update. Vorab ein Hinweis: Vaonis hat die Produktseite der ersten Generation gelöscht; was bleibt, stammt aus dem Handbuch von 2024 und dem Ankündigungsblog von 2020 — zwei Quellen, die nicht immer dasselbe sagen.
Das Fazit in 20 Sekunden
Das Vespera II ist ohne Diskussion das bessere Gerät: viermal so viele Pixel, ein deutlich größeres Feld, ein Mosaik bis 24 MP statt 8,2 MP, dokumentierter interner Speicher, Laden per USB-C. Es kostet 1.590 € (1.590 $) und ist weiterhin lieferbar; die erste Generation ist eingestellt, ihr ursprünglicher Preis ist nirgends veröffentlicht und wir haben keinen geprüften Gebrauchtpreis.
Die eigentliche Frage lautet also: Bei welchem Abschlag bleibt die erste Generation vertretbar? Zwei selten genannte Punkte fallen dabei stark ins Gewicht: Das heutige Vaonis-Zubehör ist für sie nicht als kompatibel angegeben, und ihr Laden erfolgt proprietär.
Die Zahlen nebeneinander
Vor der Tabelle: Die Spalte „Vespera (2020)“ stammt aus dem Vaonis-Handbuch von 2024 und dem Ankündigungsblog vom Oktober 2020, da die Produktseite entfernt wurde. Wo die Quellen abweichen, veröffentlichen wir beide Werte; wo nichts dokumentiert ist, schreiben wir „nicht veröffentlicht“.
| Kriterium | Vaonis Vespera (2020) | Vaonis Vespera II |
|---|---|---|
| Markteinführung | Vorgestellt am 1. Oktober 2020 | Januar 2024 |
| Status | Eingestellt | Verfügbar |
| Optische Bauart | Apochromatischer Vierlinser | Apochromatischer Vierlinser |
| Öffnung | 50 mm | 50 mm |
| Brennweite | 200 mm | 250 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4 | f/5 |
| Sensor | Sony CMOS 1/2,8″ laut Handbuch; Sony IMX462 laut Herstellerblog | Sony IMX585 |
| Auflösung | 2 MP | 8,3 MP |
| Gesichtsfeld | 1,6° × 0,9° | 2,5° × 1,4° |
| Mosaik | Ja | Ja — CovalENS, 24 MP |
| Mosaikfeld | 3,2° × 1,8° (max. 8,2 MP) | 4,33° × 2,43° |
| Montierung | Azimutal | Motorisierte Alt-Azimutal |
| Äquatorialmodus | Nein | Nein — azimutal |
| Integrierte Filter | Keine | Nein — Sonne, Dual-Band und CLS optional |
| Laufzeit | Etwa 8 h laut Handbuch 2024, 4 h laut Blog 2020 (Akku 7.000 mAh / 49 Wh) | 4 h |
| Speicher | nicht veröffentlicht | 25 GB (eMMC) |
| Gewicht | 5 kg | 5 kg |
| Stativ enthalten | Ja | Ja |
| Konnektivität und Laden | WLAN 2,4 und 5 GHz; proprietärer magnetischer Ladeanschluss, kein USB-C | WLAN · USB-C |
| Abonnement | Nein — kostenlose Singularity-App | Nein — alle Funktionen enthalten |
| Richtpreis | nicht veröffentlicht | 1.590 € (1.590 $) |
Drei Vorbehalte zur linken Spalte. Die Laufzeit: Das Vaonis-Handbuch von 2024 nennt etwa 8 h, der Ankündigungsblog von 2020 nennt 4 h; beide Quellen stammen vom Hersteller, der Unterschied beträgt das Doppelte, und wir entscheiden das nicht. Der Sensor: Die Bezeichnung IMX462 stammt aus dem Vaonis-Blog, während das Handbuch nur von einem „Sony CMOS 1/2,8 Zoll“ spricht. Schließlich sind interner Speicher und Originalpreis seit der Löschung des Datenblatts nirgends veröffentlicht, und wir leiten sie nicht vom Vespera II ab: Vor einem Gebrauchtkauf zählen diese Lücken so viel wie die bekannten Zahlen.
Was sie wirklich trennt
Der Sensor: von 2 auf 8,3 MP
Das ist der Kern der Sache. Bei einem Gerät, dessen Bild auf einem Display endet, verändert eine vervierfachte Auflösung die Art des Ergebnisses: Aus einem hübschen Vorschaubild wird ein Bild, das man beschneiden kann, ohne es zu zerstören, oder drucken. Dem Vespera von 2020 fehlt nicht die Empfindlichkeit, ihm fehlen Pixel — und keine Software holt das auf.
Brennweite und Feld: länger und weiter zugleich
Die Brennweite steigt von 200 auf 250 mm, und trotzdem wächst das Feld von 1,6° × 0,9° auf 2,5° × 1,4° — das setzt eine größere lichtempfindliche Fläche voraus. Das Vespera II fasst also mehr Himmel ins Bild und tastet feiner ab; große Nebel passen in eine einzige Aufnahme, wo die erste Generation ein Mosaik erzwang. Der Preis dafür ist der Wechsel von f/4 auf f/5, den man bei sehr schwachen Zielen im Blick behalten sollte.
Das Mosaik: 8,2 gegen 24 MP
Beide Generationen setzen Mosaike zusammen, doch die erste endet bei 3,2° × 1,8° für 8,2 MP, während das Vespera II 4,33° × 2,43° abdeckt und über CovalENS 24 MP erreicht: Sein Mosaik beginnt oberhalb der Obergrenze des älteren Modells.
Das Laden: proprietärer Magnetanschluss gegen USB-C
Ein oft übersehener, auf Reisen aber entscheidender Punkt. Das Vespera von 2020 lädt über einen proprietären Magnetanschluss, USB-C wird in seinem Datenblatt nicht erwähnt; das Vespera II lädt per USB-C. Ein verlorenes Kabel ist bei der zweiten Generation überall in fünf Minuten ersetzt; bei der ersten muss man es beim Hersteller bestellen — für ein eingestelltes Gerät. Wer unterwegs ist, sollte dieses Detail so schwer wiegen lassen wie ein Megapixel.
Das Zubehör: die Gebrauchtfalle
Die Vaonis-Filter (Sonne, Dual-Band) und die Transporttasche tragen den Herstellerhinweis „passend für AP 50/250 VESPERA II & PRO“. Die erste Generation ist ein AP 50/200: Dieses Zubehör ist für sie nicht als kompatibel angegeben, und keine Quelle behauptet, es würde trotzdem passen. Integrierte Filter hat sie ohnehin keine. Ein gebrauchtes Vespera von 2020 öffnet also nicht den Zugang zum heute verkauften Ökosystem.
Die Laufzeit: der einzige Punkt, an dem das ältere Gerät führen könnte
Das Vespera II ist mit 4 h angegeben; die erste Generation mit etwa 8 h laut Handbuch 2024 und mit 4 h laut Blog von 2020. Stimmt das Handbuch, hält das ältere Modell doppelt so lange; stimmt der Blog, sind beide gleichauf. Bei diesem Kriterium bringt die zweite Generation bestenfalls nichts.
Welches Modell für welchen Einsatz
Sie besitzen bereits ein Vespera von 2020
Das ist der einzige Fall im Vaonis-Programm, in dem ein Wechsel ernsthaft zu prüfen ist: vierfache Auflösung, größeres Feld, 24-MP-Mosaik, USB-C und Zugang zum aktuellen Zubehör. Wenn Sie abends vor allem den Himmel auf einem Tablet zeigen, erledigt das Gerät von 2020 die Aufgabe weiterhin; sobald das Bild zählt, wird der Abstand sichtbar.
Sie stehen vor einem Gebrauchtangebot
Wir haben keinen geprüften Gebrauchtpreis und werden keinen erfinden. Die Überlegung bleibt relativ, ist aber klar: Der Abschlag muss einen 2-MP-Sensor, ein engeres Feld, ein auf 8,2 MP begrenztes Mosaik, ein eingestelltes Gerät ohne Datenblatt, proprietäres Laden und einen Zubehörkatalog abdecken, der es nicht einschließt. Nähert sich der Preis den 1.590 € eines neuen Vespera II, lassen Sie es; er muss deutlich unter die Hälfte fallen, damit die erste Generation wieder vertretbar wird. Unter dieser Bedingung bleibt sie ein echtes Smart-Teleskop: derselbe apochromatische 50-mm-Vierlinser, Stativ inklusive, kostenlose App, Mosaik inbegriffen.
Für die Fotografie großer ausgedehnter Objekte
Klarer Vorteil für das Vespera II: 2,5° × 1,4° in einer einzigen Aufnahme gegen 1,6° × 0,9°, dazu ein Mosaik bis 4,33° × 2,43° für 24 MP. Hier rechtfertigt sich der Preisunterschied am besten.
Für leichtes Reisen
Beide wiegen 5 kg, Stativ inklusive. Die Laufzeit entscheidet nichts, solange der Widerspruch des Herstellers besteht; das Laden schon: USB-C lässt sich überall lösen, der Magnetanschluss von 2020 nicht. Bei sehr kleinem Budget bleibt ein stark reduziertes Vespera von 2020 ein schlüssiger Einstieg — vorausgesetzt, Sie rechnen mit keinem einzigen Filter.
Häufige Fragen
Warum ist das Datenblatt des Vespera von 2020 unvollständig?
Weil Vaonis die Produktseite gelöscht hat. Geblieben sind nur das Handbuch von 2024 und der Blogbeitrag vom Oktober 2020, die nicht alles abdecken und sich bei der Laufzeit widersprechen. Daher die Zeilen mit „nicht veröffentlicht“.
Hält das Vespera von 2020 nun 4 h oder 8 h?
Beide Zahlen stammen von Vaonis: etwa 8 h im Handbuch 2024, 4 h im Blog von 2020, bei einem Akku mit 7.000 mAh / 49 Wh. Wir veröffentlichen beide, ohne zu entscheiden.
Passen die Vaonis-Filter und die Tasche an ein Vespera von 2020?
Sie sind dafür nicht angegeben: Der Herstellerhinweis lautet „passend für AP 50/250 VESPERA II & PRO“, die erste Generation ist jedoch ein AP 50/200. Keine Quelle garantiert eine faktische Kompatibilität — eine klassische Falle beim Gebrauchtkauf.
Lässt sich ein Vespera von 2020 per USB-C laden?
Nein. Die Stromzufuhr erfolgt über einen proprietären Magnetanschluss; USB-C erscheint erst mit dem Vespera II.
Ist der Wechsel von f/4 auf f/5 ein Rückschritt?
Allein beim Öffnungsverhältnis ja. Doch die Öffnung bleibt bei 50 mm, die Brennweite wächst auf 250 mm und der Sensor auf 8,3 MP bei größerem Feld: In der Praxis liefert das Vespera II mehr Bild. Die übrigen Abwägungen finden Sie in allen Vergleichen.