2.990 € für einen neu gerechneten apochromatischen Vierlinser, einen quadratischen 12,5-MP-Sensor, 50 MP im Mosaik und ein mitgeliefertes Carbonstativ: auf dem Papier ist das Vespera Pro 2 das dichteste Angebot im Vaonis-Katalog. Ein wesentlicher Vorbehalt: Seit dem Marktstart am 11. April 2026 liegt kein einziger veröffentlichter unabhängiger Test vor, und alles Folgende beruht ausschließlich auf den Herstellerangaben.
Kurzfazit in drei Zeilen
Das Vespera Pro 2 behebt die zentrale Schwäche der Baureihe: die Auflösung. Wo die Modelle mit 8,3-MP-Sensor an ihre Grenze stoßen, sitzt hier ein Sony IMX676 Farbsensor im Format 1/1,6″ mit 3536 × 3536 Pixeln, also 12,5 MP pro Einzelbild und 50 MP im CovalENS-Mosaik. Die Optik zieht mit: neu gerechneter apochromatischer Vierlinser in drei Gruppen, 50 mm Öffnung, 245 mm Brennweite, f/4,9, Abtastung 1,6″/px, angegebene Grenzgröße 16 mag. Der Rest zielt auf den Einsatz über mehrere Nächte: 11 h Laufzeit, 225 GB, 30 Speicherplätze, integrierte Taubeheizung, 5 kg, 5 Jahre Garantie, kein Abo.
Die Einschränkung ist schlicht: Zu diesem Modell hat niemand unabhängige Messungen veröffentlicht. Weder die reale Nachführung noch die Stacking-Qualität noch der Randbereich des Bildfelds sind heute überprüfbar. Wer ein Gerät mit dokumentierter Praxis will, nimmt das Vespera III für 2.490 € — geringer aufgelöst, aber deutlich länger am Markt. Wer die assistierte visuelle Beobachtung über die Fotografie stellt, findet im Unistellar eQuinox 2 bei vergleichbarem Budget einen anderen Ansatz.
Das Vespera Pro 2 passt zu Ihnen, wenn …
- Sie großformatig drucken. 3536 × 3536 native Pixel, 50 MP nach der CovalENS-Zusammensetzung: eine Beschnittreserve, die kein 8,3-MP-Sensor dieser Kategorie bietet.
- Sie dasselbe Ziel über mehrere Nächte verfolgen. 30 Mehrnächte-Speicherplätze und 225 GB Speicher erlauben es, Signal über mehrere Sessions zu sammeln, ohne das Gerät zwischendurch leeren zu müssen.
- Sie selbst bearbeiten wollen. Experten-Modus und RAW-Zugriff sind ohne Abo enthalten, externes Stacking bleibt also möglich.
- Sie zu Fuß unterwegs sind. 5 kg, Carbonstativ im Lieferumfang, 11 h Laufzeit und integrierte Taubeheizung: Gewicht, Energie und Feuchtigkeit sind ohne Zukauf abgedeckt.
- Sie große Felder anvisieren. 1,6° × 1,6° nativ, 4,18° × 2,45° im Mosaik: genug für die ausgedehntesten Objektgruppen.
Nicht geeignet, wenn …
- Sie kein ungetestetes Produkt kaufen wollen. Bis heute ist kein unabhängiger Test veröffentlicht: 2.990 € allein auf Basis eines Datenblatts bleiben eine Wette.
- Sie Planeten fotografieren wollen. 245 mm Brennweite und 1,6″/px lassen bei Scheibchen von wenigen Dutzend Bogensekunden keine Auflösung zu.
- Der Preis Ihr erstes Kriterium ist. Das Vespera III für 2.490 € oder der Seestar S50 decken das Wesentliche am Deep-Sky-Himmel günstiger ab.
- Sie durch ein Okular schauen möchten. Es gibt keines, alles läuft über den Bildschirm — anders als beim Odyssey Pro.
Was davon in der Praxis zu erwarten ist
Deep Sky
Das ist die erklärte Bestimmung, und die Spezifikationen sind untereinander schlüssig. Eine angegebene Grenzgröße von 16 mag bei lediglich 50 mm Öffnung setzt lange Akkumulation voraus, also Sessions im Stundenbereich — was 11 h Laufzeit und 30 Mehrnächte-Speicherplätze ermöglichen. Das native Feld passt zu mittelgroßen Nebeln und Sternhaufen; die großen Komplexe verlangen das Mosaik. Wir betonen es: All das beschreibt, was das Gerät leisten sollte, nicht was ein Tester gemessen hat.
Mond und Sonne
Bei 1,6° Feld nimmt der Mond, der rund ein halbes Grad überdeckt, etwa ein Drittel des Bildes ein: Die volle Scheibe passt mit Reserve hinein, doch die Abtastung von 1,6″/px begrenzt das Detail an kleinen Kratern. Erwarten Sie saubere Übersichten, keine hochaufgelöste Mondfotografie. Zur Sonne dokumentiert das Vaonis-Datenblatt keine eigene Filterlösung: Wir können diese Nutzung weder bestätigen noch empfehlen, sie verlangt einen zertifizierten Filter vor der Optik.
Planeten
Hier entscheidet die Rechnung allein. Bei 1,6 Bogensekunden pro Pixel deckt ein Planet von wenigen Dutzend Bogensekunden Durchmesser nur wenige Dutzend Pixel ab, und keine Optik gleicht eine derart grobe Abtastung aus. Der Vierlinser mit f/4,9 und seine 2-µm-Pixel zielen auf das große Feld, nicht auf Planetenfotografie. Wer sich für Planeten interessiert, legt dieses Budget falsch an.
Quadratischer Sensor und 50-MP-Mosaik: was sich am Bildausschnitt ändert
Ein Sensor mit 3536 × 3536 Pixeln hat keine Orientierung. Die Frage „Hoch- oder Querformat“ entfällt: Sie zentrieren das Ziel und legen das Format erst beim Beschnitt fest, ohne eine Session neu beginnen zu müssen, weil das Objekt in die falsche Richtung hinausragte — bei langgestreckten Zielen ein realer Komfortgewinn. Das CovalENS-Mosaik liefert die andere Hälfte der Gleichung: Feld erweitert auf 4,18° × 2,45°, Auflösung auf 50 MP, ein breites Format für sehr ausgedehnte Objektgruppen. Für den Druck ist die Reserve beträchtlich: Ein aggressiver Beschnitt in einem Mosaik behält immer noch mehr Pixel als das native Bild vieler Konkurrenten. Der Preis dafür: Mehrere Panels verlängern die Session entsprechend, und die Zusammensetzung hängt über die gesamte Dauer an der Nachführung — genau der Punkt, den ein unabhängiger Test prüfen müsste.
Stärken
- Höchste angegebene Auflösung der Kategorie: 12,5 MP nativ, 50 MP im Mosaik.
- Carbonstativ und Taubeheizung inklusive, kein Zubehör zum Nachkaufen.
- 11 h Laufzeit, 225 GB Speicher, 30 Mehrnächte-Speicherplätze.
- Kein Abo: Experten-Modus und RAW-Zugriff in Singularity enthalten.
- 5 kg und 5 Jahre Garantie, die längste der Kategorie.
Schwächen
- Bis heute kein veröffentlichter unabhängiger Test: Die Leistung bleibt eine Herstellerangabe.
- Nur 50 mm Öffnung, daher lange kumulierte Belichtungszeiten.
- Für Planeten ungeeignet bei 1,6″/px und 245 mm Brennweite.
- Weder Okular noch direkter Einblick, alles läuft über den Bildschirm.
- Heikle Positionierung gegenüber dem Vespera Pro von 2024, das weiterhin für 2.790 € verkauft wird.
Das Vespera Pro 2 gegen seine direkten Konkurrenten
Vespera Pro 2 gegen Vaonis Vespera III
500 € trennen die beiden. Das Vespera III für 2.490 € stützt sich auf einen IMX585 mit 8,3 MP und ein Feld von 2,5° × 1,4°, nativ breiter, aber geringer aufgelöst; das Pro 2 hält mit 12,5 MP auf quadratischem Sensor und dem 50-MP-Mosaik dagegen. Einen Vorteil behält das Vespera III, den kein Datenblatt ausweist: Es ist bereits in den Händen der Tester. Wenn Sie drucken und beschneiden, zahlen Sie die 500 € Aufpreis; wenn Sie die Sicherheit dokumentierten Verhaltens wollen, bleibt das Vespera III heute die rationale Wahl.
Vespera Pro 2 gegen Unistellar Odyssey Pro
Das Odyssey Pro kostet 4.199 €, also 1.209 € mehr, und spielt auf einem anderen Feld: 85 mm Öffnung gegenüber 50 mm und ein gemeinsam mit Nikon entwickeltes OLED-Okular, das eine Beobachtung mit dem Auge zurückgibt, die es bei Vaonis nicht gibt. Das Pro 2 antwortet mit Auflösung. Das Odyssey Pro rechtfertigt sich, wenn das Beobachtungserlebnis so viel zählt wie das fertige Bild; sonst liefert das Vespera Pro 2 mehr Pixel für 1.209 € weniger.
Vespera Pro 2 gegen Celestron Origin Mark II
Das Celestron Origin Mark II für 5.299 € spielt in einer anderen Klasse: 152-mm-RASA mit f/2,2, IMX678 mit 8,3 MP. Öffnung und das sehr schnelle Öffnungsverhältnis verkürzen die Belichtungen; im Gegenzug stehen 18,87 kg gegen 5 kg und 2.309 € Aufpreis. Das Origin Mark II ist ein Instrument für den festen Standort oder den Kofferraum, das Vespera Pro 2 eines, das man zu Fuß mitnimmt: Dieser Unterschied sollte entscheiden, nicht die Auflösung.
Alternativen nach Budget
- Am günstigsten: der Seestar S30, zum unverbindlichen Einstieg.
- Ernsthafter Einstieg: der Seestar S50 oder das Dwarf 3, für Deep Sky im großen Feld.
- Um 2.500 €: das Vespera III für 2.490 €, direkte und bereits erprobte Alternative.
- Über 4.000 €: das Odyssey Pro wegen seines OLED-Okulars oder das Celestron Origin Mark II wegen seiner 152 mm.
Häufige Fragen
Wurde das Vespera Pro 2 unabhängig getestet?
Nein. Bis heute ist kein unabhängiger Test des Vespera Pro 2 veröffentlicht worden: Alles, was hier steht, stammt aus den Herstellerangaben. Diese Seite wird aktualisiert, sobald externe Messungen vorliegen.
Was unterscheidet es vom Vespera Pro von 2024?
Es sind zwei getrennte Produkte. Das Vespera Pro von 2024 hat 250 mm Brennweite bei f/5 und wird von Vaonis weiterhin für 2.790 € verkauft, wird kommerziell aber durch das Pro 2 mit seinem neu gerechneten Vierlinser von 245 mm bei f/4,9 abgelöst. Der Preisunterschied beträgt nur 200 €: Zu diesem Aufpreis ist das Pro 2 die logische Wahl.
Braucht man ein Abonnement?
Nein. Die Singularity-App ist kostenlos und enthält den Experten-Modus sowie den Zugriff auf die RAW-Dateien, sodass sich die Bilder auch außerhalb des Vaonis-Ökosystems bearbeiten lassen.
Was bedeuten die 50 MP im CovalENS-Mosaik?
Der Sensor liefert 12,5 MP pro Einzelbild auf 1,6° × 1,6°. CovalENS setzt mehrere Panels zusammen, um 4,18° × 2,45° abzudecken und 50 MP zu erreichen — zum Preis einer längeren Session.
Wie lange läuft es ohne Nachladen?
Vaonis gibt 11 h an, also eine vollständige Winternacht. Mit 225 GB und 30 Mehrnächte-Speicherplätzen hält das Gerät mehrere Ausflüge ohne Zwischenübertragung durch. Diese Laufzeit ist bislang durch keinen externen Test bestätigt.
| Optiktyp | Apochromatisches Quadruplet |
| Öffnung | 50 mm |
| Brennweite | 245 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4,9 |
| Sensor | Sony IMX676 |
| Auflösung | 12,5 Mpx |
| Sichtfeld | 1,6° × 1,6° |
| Montierung | Motorisierte azimutale Montierung |
| Akkulaufzeit | 11 h |
| Speicher | 225 GB (eMMC) |
| Gewicht | 5,0 kg |
| Richtpreis | 2 € |
| Mosaik-Bildfeld | 4,18° × 2,45° |
| Äquatorialmodus | Nein — azimutal |
| Integrierte Filter | Nein — Sonne, Dualband und CLS optional |
| Mosaik | Ja — CovalENS, 50 MP |
| Stativ enthalten | Ja — Karbon |
| Abo erforderlich | Nein — alle Funktionen inklusive |
| Konnektivität | Wi-Fi · USB-C · GPS |
| Markteinführung | 04/2026 |
| Verfügbarkeit | Verfügbar |
| Richtpreis (US) | $2990 |