Das ZWO Seestar S30 Pro ist ein smartes Teleskop mit doppelter Optik für 749 €, das den Himmel in 4K auf zwei Bildfeldern gleichzeitig aufnimmt. An der Physik ändert das nichts: Mit 30 mm Öffnung sammelt es das Licht eines Suchers – allerdings mit einem sehr guten Sensor dahinter.
Das Urteil in drei Sätzen
Das S30 Pro richtet sich an Einsteiger und fortgeschrittene Anwender, die weite, saubere und verwertbare Aufnahmen wollen, ohne sich mit Einnordung, Guiding oder Stacking zu befassen. Seine beiden Kanäle – 160 mm bei f/5,3 für Deep Sky, 6 mm bei f/1,75 für ein Feld von 63° – zeichnen beide in 4K auf (8,3 MP, 2160 × 3840) und arbeiten mit den Sony-Sensoren IMX585 und IMX586. Der Telekanal fasst 2,24° × 3,99°, also 4,6° Diagonale: genug, um große Nebel und offene Sternhaufen in einem einzigen Bild unterzubringen, und mit ausreichend Pixeln, um anschließend zu beschneiden. Genau darin liegt sein Gewinn, und die Sensorfläche – rund viermal so groß wie beim S30 – macht sich sofort an der Feinheit der Sterne und am Spielraum beim Beschnitt bemerkbar.
Was es nicht kann: in die Tiefe gehen. Dreißig Millimeter Öffnung bleiben dreißig Millimeter, und ausgesprochen lichtschwache Ziele verlangen lange Sessions für ein Ergebnis, das dennoch früh an eine Grenze stößt. Sein Filter gegen Lichtverschmutzung arbeitet außerdem weniger aggressiv als der Dualband-Filter des S50, was Emissionsnebel unter Stadthimmel benachteiligt. Wer Detail statt Feld sucht, ist mit dem Seestar S50 und dessen 250 mm deutlich besser abgetastet; wer den Weitfeldgedanken mag, aber nicht den Preis, findet im Seestar S30 für 399 € dieselbe Öffnung mit einem Sensor von lediglich 2,1 MP.
Das Seestar S30 Pro passt zu Ihnen, wenn…
- Sie überwiegend ausgedehnte Objekte fotografieren. Ein Feld von 2,24° × 3,99° lässt Spielraum für die Bildgestaltung, wo der S50 mit 0,73° × 1,29° zum Mosaik zwingt.
- Sie Auflösung brauchen. 8,3 MP in 4K auf beiden Kanälen, während das S30 bei 2,1 MP stehenbleibt: Beschnitt und Druck werden damit real möglich.
- Sie leicht reisen. 1,65 kg, Karbonstativ im Lieferumfang, 6 Stunden Laufzeit im Bildbetrieb und 128 GB interner Speicher – eine ganze Nacht ohne Logistik.
- Sie automatisieren wollen. Die Kompatibilität mit ASCOM Alpaca, dazu WLAN mit 2,4/5 GHz, Bluetooth und NFC, öffnet die Tür zu vom PC gesteuerten Sequenzen.
- Sie in feuchter Umgebung beobachten. Der Taubeschlagschutz ist integriert, ohne externe Heizmanschette und ohne zusätzliche Stromversorgung.
Finger weg, wenn…
- Ihre Lieblingsziele klein und lichtschwach sind. Bei 160 mm Brennweite und 30 mm Öffnung bleiben kompakte Galaxien Flecken, gleichgültig wie lange die Gesamtbelichtung ausfällt.
- Sie aus der Innenstadt beobachten. Der Filter gegen Lichtverschmutzung des S30 Pro arbeitet weniger selektiv als der Dualband OIII 30 nm / Hα 20 nm des S50, und das zeigt sich am Himmelshintergrund.
- Sie auf den äquatorialen Modus setzen. Es gibt ihn, aber er läuft über den optional erhältlichen TH10-Kopf: Der reale Preis liegt dann über 749 €.
- Sie sich nicht von einer App abhängig machen wollen. Alles läuft über die ZWO-Software, von der Bildgestaltung bis zum Export – einen autonomen Rückfallmodus gibt es nicht.
Erfahrungen aus der Praxis
Deep Sky
Das ist sein Spielfeld, vorausgesetzt die Ziele sind groß und hell. Das Öffnungsverhältnis f/5,3 auf dem Telekanal bleibt schnell, und der IMX585 verträgt gestapelte Kurzbelichtungen gut. Emissionsnebel profitieren vom Dualband OIII 30 nm / Hα 20 nm, die automatisierte Mosaikfunktion setzt Aufnahmen bis 8K zusammen und deckt damit ganze Regionen ab, und der Milchstraßenmodus nutzt den Weitwinkelkanal. Bei lichtschwachen Objekten erreicht man dagegen schnell ein Plateau: Das Signal fehlt, und keine Bildbearbeitung erfindet es.
Mond und Sonne
Der magnetische Sonnenfilter liegt bei, was die Tagbeobachtung unmittelbar und sicher macht – vorausgesetzt, Sie prüfen vor jeder Session seinen festen Sitz. Am Mond ergeben 160 mm Brennweite eine vollständige Scheibe mit reichlich Rand im Feld, dank 8,3 MP sauber gezeichnet. Es ist ein gutes Gerät für die Dokumentation von Finsternissen und Mondphasen, kein Instrument für hoch vergrößerte Reliefaufnahmen.
Planeten
Von vornherein auszuschließen. Mit 30 mm Öffnung und 160 mm Brennweite erscheinen Jupiter und Saturn als kleine Scheibchen: Die Ringe sind erkennbar, die Bänder erahnbar, Details gibt es keine. Der Videomodus mit 4 Stunden Laufzeit erlaubt zwar Sequenzaufnahmen, doch die Abtastung stößt an ihre Grenze. Kein smartes Teleskop dieser Klasse macht es besser – dafür braucht es eine andere Gerätefamilie.
Doppelkanal, Mosaik und Weitwinkel
Das ist das wirklich unterscheidende Argument. Der Weitwinkelkanal mit 3,4 mm bei f/1,75 deckt 63° ab und zeichnet ebenfalls in 4K auf: Konjunktionen, Polarlichter, Milchstraßenpanoramen und Landschaftsaufnahmen gelingen ohne zweite Kamera. Zwei 4K-Kanäle zu diesem Preis gab es vor ihm nicht. Zusammen mit der automatisierten Mosaikfunktion und der 8K-Zusammensetzung wird das S30 Pro damit eher zu einem Weitfeldwerkzeug als zu einem Miniaturteleskop – und so sollte man es auch bewerten.
Bedienung, Speicher und Anbindung
Die 128 GB eMMC sind großzügig bemessen und decken auch Nächte ab, in denen beide Kanäle gleichzeitig laufen; ein Kartenschacht entfällt dadurch. Die Kopplung läuft wahlweise über NFC, Bluetooth oder WLAN, wobei das 5-GHz-Band den Transfer der 4K-Dateien spürbar beschleunigt. Interessant für technisch versierte Anwender ist die ASCOM-Alpaca-Schnittstelle: Damit lässt sich das Gerät in bestehende Ablaufsteuerungen einbinden, statt jede Sequenz manuell in der App anzustoßen. Das bleibt ein Nischenfeature, ist in dieser Preisklasse aber ungewöhnlich und macht das S30 Pro zum bislang offensten Seestar-Modell.
Stärken
- Zwei Kanäle in 4K, in dieser Preisklasse bislang einmalig
- Sensor rund viermal größer als der des S30
- Sehr vielseitiges Feld von 2,24° × 3,99°
- Taubeschlagschutz integriert, Karbonstativ im Lieferumfang
- ASCOM Alpaca und kein Abonnement
Schwächen
- 30 mm Öffnung: lichtschwache Ziele bleiben außer Reichweite
- Filter gegen Lichtverschmutzung weniger wirksam als beim S50
- EQ-Modus an den optionalen TH10-Kopf gebunden
- Vollständige Abhängigkeit von der ZWO-App
- Preis von 549 $ in der Vorbestellung auf 699 $ gestiegen
Das Seestar S30 Pro gegen die direkte Konkurrenz
Seestar S30 Pro vs. Seestar S30
Gleiche Öffnung von 30 mm, also gleiches Lichtsammelvermögen: Der Unterschied liegt vollständig im Sensor und in der Elektronik. Das S30 stützt sich auf einen IMX662 mit 2,1 MP, das Pro auf einen IMX585 mit 8,3 MP und rund vierfacher Sensorfläche, dazu ein zweiter Weitwinkelkanal, der Taubeschlagschutz und ASCOM Alpaca. Der Preisabstand beträgt 350 €. Wenn Sie weder beschneiden noch drucken wollen, genügt das S30; sobald das Bild als fertige Datei zählt, rechtfertigt das Pro seinen Aufpreis.
Seestar S30 Pro vs. Dwarf 3
Der Dwarf 3 bietet für 549 € eine Öffnung von 35 mm und einen IMX678 mit 8,3 MP, also vergleichbare Auflösung für 200 € weniger, dafür ein in einer Achse engeres Feld von 2,93° × 1,65° und vor allem kein mitgeliefertes Stativ. Das S30 Pro antwortet mit dem zweiten 4K-Kanal, dem 8K-Mosaik, dem Karbonstativ und dem Taubeschlagschutz. Der Dwarf 3 gewinnt beim Verhältnis Preis zu Öffnung, das S30 Pro gewinnt, sobald man den gesamten Lieferumfang betrachtet.
Seestar S30 Pro vs. Seestar S50
Der S50 stellt für 499 € eine Öffnung von 50 mm und 250 mm Brennweite gegen einen Sensor mit nur 2,1 MP, bei einem Feld von 0,73° × 1,29°. Er tastet kleine Objekte besser ab und filtert Lichtverschmutzung aggressiver, verliert aber bei Feld, Auflösung und Gewicht (2,5 kg gegenüber 1,65 kg). Kleine Objekte und Stadthimmel: S50. Weite Felder, Auflösung und Transport: S30 Pro.
Alternativen nach Budget
- Günstiger: das Seestar S30 für 399 €, gleiche 30-mm-Optik, Sensor mit 2,1 MP, noch weiteres Feld.
- Ähnliches Budget: der Dwarf 3 für 549 €, 35 mm und 8,3 MP – sofern Sie ein Stativ hinzurechnen.
- Eine Stufe höher: das Vespera II für 1.590 €, 50 mm und IMX585 mit 8,3 MP, mit dem CovalENS-Mosaik.
- Andere Klasse: das eVscope 2 oder das Odyssey, wenn Ihnen die Beobachtung am Okular wichtiger ist als die Bilddatei.
Häufige Fragen
Ist das Seestar S30 Pro seine 749 € gegenüber dem S30 für 399 € wert?
Ja, wenn Sie Dateien wollen, die über die Bildschirmanzeige hinaus taugen: 8,3 MP statt 2,1 MP, ein rund viermal größerer Sensor, ein zweiter 4K-Kanal und der Taubeschlagschutz. Nein, wenn Sie ausschließlich in sozialen Netzwerken teilen – die Öffnung und damit die Fähigkeit, lichtschwache Objekte überhaupt sichtbar zu machen, ist bei beiden Geräten identisch.
Sind mit dem Seestar S30 Pro lange Belichtungen möglich?
Die Montierung ist ab Werk azimutal, was die Dauer der Einzelbelichtung wegen der Bildfelddrehung begrenzt. Der äquatoriale Modus ist möglich, verlangt aber den optional erhältlichen TH10-Kopf. Diesen Posten sollten Sie zusätzlich zu den 749 € einplanen.
Funktioniert das Seestar S30 Pro in der Stadt?
Es führt einen UV/IR-Sperrfilter und einen Dualband OIII 30 nm / Hα 20 nm mit, der bei Emissionsnebeln wirksam ist. Seine Filterung gegen Lichtverschmutzung gilt allerdings dokumentiert als weniger aggressiv als die des S50: Unter stark aufgehelltem Himmel zeigt sich der Unterschied am Himmelshintergrund.
Braucht das Seestar S30 Pro ein Abonnement?
Nein. Keine Funktion ist hinter einem Abonnement verriegelt, und die 128 GB eMMC-Speicher sind fest verbaut. Die ZWO-App bleibt für die Steuerung allerdings unverzichtbar, sofern Sie nicht über ASCOM Alpaca arbeiten.
Ab wann ist das Seestar S30 Pro lieferbar und warum ist der Preis gestiegen?
Die Vorbestellungen öffneten am 31. Dezember 2025, die Auslieferung läuft ab dem 31. Januar 2026. Gestartet zu 549 $ in der Vorbestellung, stieg der Preis mit einer offiziellen Erhöhung am 1. Mai 2026 auf 699 $ beziehungsweise 749 €.
| Optiktyp | Apo-Refraktor Quadruplet (Doppeloptik) |
| Öffnung | 30 mm |
| Brennweite | 160 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/5,3 |
| Sensor | Sony IMX585 + IMX586 (grand-angle) |
| Auflösung | 8,3 Mpx |
| Sichtfeld | 2,24° × 3,99° |
| Montierung | Motorisierte azimutale Montierung |
| Akkulaufzeit | 6 h |
| Speicher | 128 GB (eMMC) |
| Gewicht | 1,65 kg |
| Richtpreis | 749 € |
| Äquatorialmodus | Ja — TH10-Kopf optional |
| Integrierte Filter | UV/IR-Sperrfilter + Hα/OIII-Dualband + Dark · Sonnenfilter enthalten |
| Mosaik | Ja — 8K-Zusammensetzung |
| Stativ enthalten | Ja — Karbon |
| Abo erforderlich | Nein — alle Funktionen inklusive |
| Konnektivität | Wi-Fi 2,4/5 GHz · Bluetooth · NFC · USB-C · ASCOM Alpaca |
| Markteinführung | 01/2026 |
| Verfügbarkeit | Verfügbar |
| Richtpreis (US) | $699 |