Der Vaonis Vespera Pro 2 für 2.990 € stellt 12,5 Mpx und ein Mosaikfeld von 4,18° × 2,45° gegen die 85 mm Öffnung und das Nikon-Okular des Unistellar Odyssey Pro für 4.199 €. Ein Vorbehalt gehört an den Anfang: Zum Vespera Pro 2 liegt bislang kein veröffentlichter unabhängiger Test vor, alle Angaben stammen vom Hersteller.
Das Urteil in 20 Sekunden
Nehmen Sie den Vespera Pro 2, wenn Sie Bilddateien produzieren wollen: 12,5 Mpx, ein Einzelbildfeld von 1,6° × 1,6°, CovalENS-Mosaike mit 50 Mpx, 225 GB Speicher und 11 h Laufzeit — für 1.209 € weniger. Sie akzeptieren dafür, dass die Datenlage ausschließlich auf Herstellerangaben beruht.
Nehmen Sie den Odyssey Pro, wenn Sie mit dem Auge beobachten wollen und Öffnung höher gewichten als Auflösung: 85 mm gegen 50 mm, dazu das Mikro-OLED-Okular von Nikon. Das Gerät ist im Markt eingeführt und seine Leistung bekannt.
Die Daten nebeneinander
| Kriterium | Vaonis Vespera Pro 2 | Unistellar Odyssey Pro |
|---|---|---|
| Richtpreis | 2.990 € | 4.199 € |
| Öffnung | 50 mm | 85 mm |
| Brennweite | 245 mm | 320 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4,9 | f/3,9 |
| Sensor | Sony IMX676 | Sony IMX415, von Unistellar nicht bestätigt |
| Auflösung | 12,5 Mpx | 4,1 Mpx als Bildausgabe |
| Bildfeld | 1,6° × 1,6° | 0,56° × 0,75° |
| Bildfeld im Mosaik | 4,18° × 2,45° | Nicht zutreffend |
| Mosaik | Ja, CovalENS, 50 Mpx | Nein |
| Okular | Nein, nur Bildschirm | Ja, Mikro-OLED von Nikon |
| Äquatorialmodus | Nein, azimutal | Nein, azimutal |
| Integrierte Filter | Nein; Sonnen-, Dualband- und CLS-Filter optional | Nein, Software-Verarbeitung Deep Dark |
| Laufzeit | 11 h | 5 h |
| Speicher | 225 GB (eMMC) | 64 GB (eMMC) |
| Gewicht | 5 kg | 4 kg |
Was sie wirklich trennt
Was das Fehlen eines unabhängigen Tests bedeutet
Das muss vor allem anderen gesagt werden: Der Vespera Pro 2 erschien am 11. April 2026, und bislang ist kein unabhängiger Test veröffentlicht worden. Sämtliche Zahlen in der Tabelle sind Herstellerangaben von Vaonis. Das heißt nicht, dass sie falsch wären — es heißt, dass niemand außerhalb des Unternehmens sie bislang nachgemessen hat. Gerade Kennwerte wie die reale Laufzeit bei Kälte oder die tatsächlich nutzbare Auflösung nach der Bildverarbeitung weichen erfahrungsgemäß gelegentlich von Datenblättern ab. Der Odyssey Pro ist seit Längerem am Markt, sein Verhalten in der Praxis ist dokumentiert. Wer heute entscheiden muss, kauft beim einen ein bekanntes, beim anderen ein angekündigtes Leistungsprofil. Sieger: Odyssey Pro.
Öffnung gegen Auflösung
85 mm gegen 50 mm bei f/3,9 gegen f/4,9: Der Odyssey Pro sammelt mehr Licht und arbeitet dabei zusätzlich mit dem schnelleren Öffnungsverhältnis. Beide Faktoren wirken gleichgerichtet, das ist ein solider Vorsprung an rohem Signal. Der Vespera Pro 2 antwortet mit 12,5 Mpx gegen 4,1 Mpx — ein Faktor von rund drei. Diese beiden Größen sind nicht gegeneinander verrechenbar: Öffnung bestimmt, was überhaupt sichtbar wird, Auflösung, wie fein das Sichtbare abgebildet ist. Für sehr schwache Objekte gewinnt der größere Spiegel, für Detailzeichnung an helleren Zielen der bessere Sensor. Da Lichtsammelleistung sich nicht nachträglich herstellen lässt, Auflösung aber ohne Signal wertlos bleibt, geht die Grundlagenrubrik an die größere Optik. Sieger: Odyssey Pro.
Bildfeld, Bildausschnitt und Mosaik
1,6° × 1,6° gegen 0,56° × 0,75° — der Vespera Pro 2 überblickt im Einzelbild ein Vielfaches der Fläche. Kommt CovalENS hinzu, wächst das Feld auf 4,18° × 2,45° bei 50 Mpx, und damit passen Ziele ins Bild, die der Odyssey Pro grundsätzlich nicht erfassen kann: der Nordamerikanebel, die Plejaden, ausgedehnte Teile des Cirrusnebels. Der Odyssey Pro beherrscht keine Mosaike, sein Bildfeld ist damit eine harte Grenze. Wer weite Himmelsareale abbilden will, hat hier keine Wahl. Sieger: Vespera Pro 2.
Okular, Laufzeit und Speicher
Der Odyssey Pro trägt das gemeinsam mit Nikon entwickelte Mikro-OLED-Okular, der Vespera Pro 2 wird ausschließlich über den Bildschirm bedient — für alle, die durch ein Instrument schauen wollen, ist das der entscheidende Punkt. In allen übrigen Merkmalen dieser Rubrik führt jedoch der Vespera Pro 2 deutlich: 11 h gegen 5 h Laufzeit und 225 GB gegen 64 GB Speicher. Das ist der Unterschied zwischen einer durchgearbeiteten Nacht mit vollständig gesicherten Rohdaten und einer Session, die nach fünf Stunden endet. Beim Gewicht liegt der Odyssey Pro mit 4 kg gegen 5 kg leicht vorn. Zwei von drei Merkmalen und die praktisch wichtigeren entscheiden. Sieger: Vespera Pro 2.
Welches Gerät für welchen Einsatz
Für den Einstieg
Beide sind teure Erstgeräte. Wer dennoch hier einsteigt, fährt mit dem günstigeren, länger laufenden und speicherstärkeren Modell besser — sofern er mit der dünnen Testlage leben kann. Alternativen nennt unser Ratgeber für Einsteiger. Sieger: Vespera Pro 2.
Für hochaufgelöste Bilder
12,5 Mpx im Einzelbild und 50 Mpx im Mosaik gegen 4,1 Mpx: Für großformatige Ausbelichtungen oder starkes Zuschneiden gibt es keine Diskussion. Siehe auch unsere Astrofotografie-Auswahl. Sieger: Vespera Pro 2.
Für die Beobachtung mit dem Auge
Nur eines der beiden Geräte besitzt überhaupt ein Okular, und es ist ein sehr gutes. Wer den direkten Einblick sucht, hat hier keine Alternative — vergleichbar nur mit dem Unistellar eVscope 2, siehe eVscope 2 gegen Odyssey Pro. Sieger: Odyssey Pro.
Für große ausgedehnte Objekte
Ein Mosaikfeld von 4,18° × 2,45° gegen ein festes Einzelbildfeld von 0,56° × 0,75°: Für weiträumige Nebelkomplexe ist das kein knappes Rennen. Sieger: Vespera Pro 2.
Für ganze Nächte
11 h gegen 5 h Laufzeit, dazu 225 GB gegen 64 GB Speicher. Wer bis zur Dämmerung integriert, braucht beides. Sieger: Vespera Pro 2.
Häufige Fragen
Wurde der Vespera Pro 2 unabhängig getestet?
Nein. Seit dem Erscheinen am 11. April 2026 ist kein unabhängiger Test veröffentlicht worden. Alle verfügbaren Angaben stammen von Vaonis. Wer auf geprüfte Messwerte Wert legt, sollte weitere Berichte abwarten oder zum bereits etablierten Vaonis Vespera III greifen.
Worin unterscheidet er sich vom Vespera Pro von 2024?
Es handelt sich um zwei getrennte Modelle unterschiedlicher Generationen. Achten Sie beim Kauf auf die genaue Modellbezeichnung, da beide im Handel unter ähnlichen Namen geführt werden und Angebote nicht immer eindeutig zugeordnet sind.
Welcher Sensor steckt tatsächlich im Odyssey Pro?
Ein Sony IMX415 gilt als wahrscheinlich, wurde von Unistellar aber nie bestätigt. Belastbar ist allein die Bildausgabe mit 4,1 Mpx. Beim Vespera Pro 2 nennt Vaonis dagegen offen einen Sony IMX676.
Was bedeuten die 50 Mpx im CovalENS-Mosaik?
CovalENS setzt mehrere Einzelaufnahmen zu einem größeren Bild zusammen, das ein Feld von 4,18° × 2,45° abdeckt und dabei 50 Mpx erreicht. Es ist also kein Sensorwert, sondern das Ergebnis der Zusammensetzung. Ähnlich arbeitet auch der Vespera III, siehe Vespera II gegen Vespera III.
Gibt es in diesen Budgets mehr Öffnung?
Ja. Der Unistellar eQuinox 2 bietet mehr Durchmesser als beide, allerdings ohne Okular und ohne Mosaikfunktion. Deutlich darüber liegt das Celestron Origin. Alle Paarungen im Überblick finden Sie in unserem Vergleichs-Hub.