Zwischen dem ZWO Seestar S50 für 499 € und dem Celestron Origin Mark II für 5.299 € liegt der Faktor zehn — und mit 50 mm gegen 152 mm Öffnung der größte Abstand in unserem gesamten Vergleichskatalog. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, welches Gerät besser ist, sondern ob Ihr Beobachtungsprofil die zehnfache Ausgabe überhaupt einfordert.
Das Urteil in 20 Sekunden
Nehmen Sie den Seestar S50, wenn Sie mit 2,5 kg Gesamtgewicht, integrierten Filtern, Mosaikfunktion und einem Carbonstativ für 499 € einsteigen wollen. Er deckt einen erstaunlich großen Teil dessen ab, wofür man früher ein Vielfaches zahlte. Beachten Sie allerdings, dass die Verfügbarkeit zeitweise angespannt ist.
Nehmen Sie den Origin Mark II, wenn Sie einen festen Platz im Garten haben, ernsthaft fotografieren und die 18,87 kg nicht bewegen müssen: 152 mm bei f/2,2 und 8,3 Mpx spielen in einer anderen Liga. Rechnen Sie die reale Laufzeit und den fehlenden Filtersatz aber in Ihr Budget ein.
Die Daten nebeneinander
| Kriterium | ZWO Seestar S50 | Celestron Origin Mark II |
|---|---|---|
| Richtpreis | 499 € | 5.299 € (4.299 $ in den USA) |
| Öffnung | 50 mm | 152 mm |
| Brennweite | 250 mm | 335 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/5 | f/2,2 |
| Sensor | Sony IMX462 | Sony IMX678 (Starvis 2) |
| Auflösung | 2,1 Mpx | 8,3 Mpx |
| Bildfeld | 0,73° × 1,29° | 1,32° × 0,75° |
| Montierung | Motorisierte Alt-Azimutal-Montierung | Motorisierte Alt-Azimutal-Montierung |
| Äquatorialmodus | Ja, per Firmware, EQ-Stativ erforderlich | Nein, äquatoriale Keilplatte optional |
| Integrierte Filter | UV/IR-Cut, Dualband Hα/OIII, Dark; Sonnenfilter mitgeliefert | Nein |
| Mosaik | Ja | Nein |
| Laufzeit | 6 h | Mehr als 6 h angegeben, rund 3 h gemessen nahe 0 °C |
| Speicher | 64 GB (eMMC) | Nicht angegeben; 3 USB-A-Anschlüsse und Ethernet |
| Gewicht | 2,5 kg | 18,87 kg |
| Stativ enthalten | Ja, Carbon | Ja |
Was sie wirklich trennt
Öffnung und optische Geschwindigkeit
152 mm bei f/2,2 gegen 50 mm bei f/5: Das ist der größte Abstand, den wir in einem Vergleich je gegenübergestellt haben. Beide Faktoren wirken in dieselbe Richtung. Der dreifache Durchmesser sammelt ein Vielfaches an Licht, und das erheblich schnellere Öffnungsverhältnis verkürzt zusätzlich die nötige Belichtungszeit pro Einzelbild. Wo der Seestar S50 zwei Stunden Integration braucht, um einen schwachen Nebel sauber herauszuarbeiten, ist der Origin Mark II in einem Bruchteil dieser Zeit am Ziel. Der S50 hält mit 250 mm Brennweite dagegen, was ihm ein etwas anderes Bildformat verschafft, aber am Signalunterschied nichts ändert. Sieger: Origin Mark II.
Sensor, Auflösung und Bildfeld
8,3 Mpx auf einem Sony IMX678 der Starvis-2-Generation gegen 2,1 Mpx auf einem IMX462 — der Faktor vier bei der Pixelzahl bedeutet konkret, dass Ausschnitte aus einer Origin-Aufnahme noch druckfähig bleiben, während der S50 hier schnell an seine Grenze kommt. Beim Bildfeld liegen beide überraschend nah beieinander, 0,73° × 1,29° gegen 1,32° × 0,75°, nur um 90 Grad gedreht. Der S50 kontert allerdings mit einer Funktion, die dem Origin Mark II fehlt: Mosaikaufnahmen. Für Objekte, die über das Einzelbildfeld hinausreichen, ist das ein echtes Argument. Bei reiner Bildqualität pro Einzelaufnahme bleibt die Rangfolge dennoch eindeutig. Sieger: Origin Mark II.
Platzbedarf, Aufbau und Laufzeit
2,5 kg gegen 18,87 kg — hier kippt der Vergleich vollständig. Den Seestar S50 nimmt man samt Carbonstativ unter den Arm und ist in zwei Minuten beobachtungsbereit. Der Origin Mark II ist ein Gerät, das man aufstellt und stehen lässt; jeder Transport ist eine Planungsaufgabe. Bei der Laufzeit ist Vorsicht geboten: Celestron gibt mehr als 6 h an, gemessen wurden nahe 0 °C jedoch nur rund 3 h. Für Winternächte heißt das, eine externe Stromversorgung fest einzuplanen. Der S50 kommt mit seinen 6 h durch eine normale Session. Sieger: Seestar S50.
Filter, Zubehör und reale Kosten
Der Seestar S50 bringt UV/IR-Cut, einen Dualband-Filter für Hα/OIII und einen Dark-Filter bereits mit, dazu einen Sonnenfilter im Lieferumfang — Sie können also am Kauftag Nebel aus der Stadt und tags darauf die Sonne aufnehmen, ohne einen Cent nachzulegen. Der Origin Mark II hat keine integrierten Filter; wer unter aufgehelltem Himmel arbeitet, kauft nach. Auch die äquatoriale Keilplatte ist Zubehör, während der S50 einen Äquatorialmodus per Firmware anbietet, sofern ein EQ-Stativ vorhanden ist. Der reale Abstand zwischen 499 € und 5.299 € fällt damit noch größer aus als der Listenpreis suggeriert. Sieger: Seestar S50.
Welches Gerät für welchen Einsatz
Für den Einstieg
Ein erstes Instrument für 5.299 € zu kaufen, ohne zu wissen, wie viele Nächte im Jahr man tatsächlich draußen steht, ist selten eine gute Idee. Der S50 kostet weniger als ein Zehntel und beantwortet genau diese Frage. Weitere Optionen nennt unser Ratgeber für Einsteiger. Sieger: Seestar S50.
Für den festen Platz im Garten
Wenn das Gerät ohnehin auf derselben Terrasse steht, ist Gewicht bedeutungslos und Stromversorgung ein gelöstes Problem. Dann zählt nur noch, wie viel Licht die Optik einsammelt — und da gibt es keine Diskussion. Sieger: Origin Mark II.
Für große Nebel
Hier wird es interessant: Ausgedehnte Objekte wie der Nordamerikanebel sprengen jedes Einzelbildfeld. Der Origin Mark II liefert das bessere Einzelbild, kann aber keine Mosaike; der S50 kann es. Für großflächige Ziele gleicht diese Funktion einen Teil des optischen Rückstands aus, siehe auch unsere Deep-Sky-Auswahl. Sieger: Seestar S50.
Für unterwegs
18,87 kg beenden die Diskussion, bevor sie beginnt. Der S50 passt in einen Rucksack, das Origin nicht einmal komfortabel in einen Kombi. Mehr dazu im Ratgeber für unterwegs. Sieger: Seestar S50.
Für die Beobachtung mit dem Auge statt am Bildschirm
Beide arbeiten ausschließlich über Tablet oder Smartphone, keiner besitzt ein Okular. Wer wirklich durchschauen will, ist bei den Unistellar-Pro-Modellen richtig, etwa im Vergleich eVscope 2 gegen Odyssey Pro. Unter den beiden hier liefert das größere Gerät wenigstens das eindrucksvollere Livebild. Sieger: Origin Mark II.
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich Origin und Origin Mark II?
Es handelt sich um zwei getrennte Artikel: Die Art.-Nr. 12100 bezeichnet den Origin Mark II, die Art.-Nr. 12099 das vorherige Modell. Achten Sie beim Kauf auf die Nummer, da beide zeitweise parallel angeboten werden und die Produktbezeichnungen im Handel nicht immer eindeutig geführt sind.
Ist der Seestar S50 noch verfügbar?
Die Verfügbarkeit ist zeitweise angespannt, das Modell verschwindet immer wieder für einige Wochen aus den Lagerbeständen. Als Ausweichoptionen kommen der ZWO Seestar S30 und der Seestar S30 Pro infrage, die wir im Vergleich S30 Pro gegen S30 gegenüberstellen.
Wie hoch ist die tatsächliche Laufzeit des Origin Mark II?
Celestron gibt mehr als 6 h an. Bei Messungen nahe 0 °C blieben davon rund 3 h übrig. Das ist bei Lithium-Akkus im Winter nicht ungewöhnlich, sollte aber einkalkuliert werden: Für eine vollständige Winternacht führt an einer externen Stromquelle kein Weg vorbei.
Ab welchem Budget lohnt sich der Sprung?
Zwischen 499 € und 5.299 € liegen mehrere sinnvolle Zwischenstufen, etwa der Vaonis Vespera III oder der Unistellar Odyssey. Den vollen Sprung rechtfertigt in der Regel erst, wer regelmäßig fotografiert, einen festen Standort hat und die Bilder weiterverarbeiten will. Einen Überblick gibt unser Vergleichs-Hub.
Verlangt eines der beiden Geräte ein Abonnement?
Nein. Weder ZWO noch Celestron erheben eine laufende Gebühr für die Steuer-App oder deren Bildverarbeitung. Beide Apps sind kostenlos und im Kaufpreis enthalten.