Gleicher 114-mm-Tubus mit f/4, gleiche Laufzeit von 9 h, gleiches Fehlen eines äquatorialen Modus: Zwischen dem Unistellar eVscope von 2019 und dem Unistellar eVscope 2 entscheidet sich alles hinter der Optik, am elektronischen Okular und am Sensor. Zuerst ein Hinweis: Unistellar hat sämtliche technischen Datenblätter des eVscope der ersten Generation von der Website entfernt. Keine einzige Zahl der Spalte „eVscope (2019)“ stammt vom Hersteller — sie kommen alle aus der Fachpresse. Das Modell von 2019 ist eingestellt: Diese Seite richtet sich an Besitzer, die über einen Wechsel nachdenken, oder an Käufer vor einem Gebrauchtgerät.
Das Urteil in 20 Sekunden
Das eVscope 2 ist kein stärkeres Teleskop: Es ist dasselbe Teleskop, nur besser angeschaut. Öffnung, Brennweite, Öffnungsverhältnis und angegebene Laufzeit sind identisch. Der Unterschied liegt in zwei Bauteilen: ein mit Nikon entwickeltes elektronisches Okular anstelle des hauseigenen OLED von 2019 und ein Sony IMX347 mit 7,7 MP anstelle des Sony Exmor IMX224.
Wer bereits ein funktionierendes eVscope von 2019 besitzt, gewinnt beim Umstieg weder Licht noch Beobachtungszeit noch einen äquatorialen Modus: Er gewinnt ein deutlich feiner aufgelöstes Bild und ein bequemeres Okular, für 4.699 €. Vor einem Gebrauchtgerät lautet die Frage nicht, welches besser ist — das ist das eVscope 2 —, sondern um wie viel günstiger das gebrauchte sein muss.
Die Zahlen nebeneinander
Vor der Tabelle zu lesen: Die Spalte „eVscope (2019)“ ist aus der Fachpresse rekonstruiert, weil Unistellar kein Datenblatt zu diesem Modell mehr veröffentlicht. Wo die Presse nichts dokumentiert hat, schreiben wir „nicht veröffentlicht“, statt einen Wert abzuleiten.
| Kriterium | Unistellar eVscope (2019) | Unistellar eVscope 2 |
|---|---|---|
| Erscheinungsjahr | 2019 | September 2021 |
| Status | Eingestellt | Verfügbar |
| Optische Bauart | Newton mit elektronischem OLED-Okular | Newton mit elektronischem OLED-Okular, mit Nikon entwickelt |
| Öffnung | 114 mm | 114 mm |
| Brennweite | 450 mm | 450 mm |
| Öffnungsverhältnis | f/4 | f/4 |
| Sensor | Sony Exmor IMX224 | Sony IMX347 |
| Auflösung | nicht veröffentlicht | 7,7 MP |
| Gesichtsfeld | 30 Bogenminuten | 0,57° × 0,76° |
| Mosaik | nicht veröffentlicht | Nein |
| Mosaikfeld | nicht veröffentlicht | nicht angegeben |
| Montierung | Motorisierte azimutale GoTo-Montierung, Einarm | Motorisierte azimutale Montierung |
| Äquatorialer Modus | Nein | Nein — azimutal |
| Integrierte Filter | nicht veröffentlicht | Nein — Software-Verarbeitung Deep Dark |
| Laufzeit | 9 h | 9 h |
| Speicher | nicht veröffentlicht | 64 GB (eMMC) |
| Gewicht | 9 kg | 7 kg (9 kg mit Stativ) |
| Stativ enthalten | Ja | Ja |
| Konnektivität | WLAN, GPS, App für iOS und Android | WLAN |
| Abonnement | Nein — kostenlose Unistellar-App | Nein — alle Funktionen enthalten |
| Richtpreis | nicht veröffentlicht | 4.699 € (4.999 $) |
Zwei Warnungen. Worauf sich die 9 kg von 2019 beziehen — Tubus allein oder mit Stativ —, ist nicht dokumentiert: Die Zahl ist mit den 7 kg Tubusgewicht des eVscope 2 nicht direkt vergleichbar. Und der Preis der ersten Generation wird nirgends mehr veröffentlicht: weder ein nachprüfbarer Listenpreis noch ein belegter Gebrauchtwert.
Was sie wirklich trennt
Das elektronische Okular, die eigentliche Trennlinie
Beide Geräte teilen eine in diesem Markt selten gewordene Besonderheit: ein elektronisches Okular, also ein kleiner OLED-Bildschirm im Brennpunkt eines echten Okulars, in das man wie bei einem klassischen Teleskop hineinschaut. Fast der gesamte Wettbewerb hat auf dieses Bauteil verzichtet und schickt das Bild aufs Smartphone. Das ist der rote Faden zwischen beiden Generationen — und zugleich das, was sie am deutlichsten unterscheidet.
Beim eVscope von 2019 ist das Okular ein von Unistellar selbst entwickeltes OLED. Beim eVscope 2 ist es eine mit Nikon entwickelte optische Baugruppe: die sichtbarste Änderung von einer Generation zur nächsten, spürbar in der ersten Minute. Alles, was der Sensor an Auflösung gewinnt, landet im Auge statt auf einem Bildschirm — dort steckt der Aufpreis.
Der Sensor: vom IMX224 zum IMX347
Die Generation 2019 stützt sich auf einen Sony Exmor IMX224, dessen Auflösung Unistellar nie veröffentlicht hat und die auch die Presse nicht zuverlässig dokumentiert hat. Das eVscope 2 wechselt auf einen Sony IMX347 mit 7,7 MP. Der Wechsel zeigt sich auch im Feld: 30 Bogenminuten auf der einen, 0,57° × 0,76° auf der anderen Seite, bei unveränderter Optik. Und dieser Punkt ist vom ersten nicht zu trennen: Ein feiner auflösender Sensor zahlt sich nur voll aus, wenn die Anzeige mithält.
Was sich zwischen den Generationen nicht geändert hat
Alles Übrige, oder fast: 114-mm-Newton, 450 mm Brennweite, f/4, motorisierte azimutale Montierung ohne äquatorialen Modus, 9 h Laufzeit, Stativ im Lieferumfang und auf beiden Seiten kein Abonnement. Das eVscope 2 behandelt Lichtverschmutzung per Software, mit seiner Funktion Deep Dark, und beherrscht kein Mosaik. Man wechselt das eVscope also nicht für mehr Beobachtungszeit oder mehr Feld: Man wechselt es für das, was man sieht.
Was wir über das eVscope von 2019 nicht wissen
Das sollte man vor einem Gebrauchtkauf wissen: Sensorauflösung, interner Speicher, integrierte Filter, Mosaik, ursprünglicher Preis — nichts davon ist veröffentlicht, weder von Unistellar noch von verlässlichen Dritten, und wir leiten es nicht vom eVscope 2 ab. Nur die Konnektivität ist auf der Seite von 2019 besser dokumentiert: WLAN, GPS sowie Apps für iOS und Android, während das Datenblatt des eVscope 2 nur WLAN nennt.
Welches für welchen Einsatz
Sie besitzen bereits ein eVscope von 2019
Behalten Sie es, solange es funktioniert — es sei denn, die Bildauflösung stört Sie täglich. Der Wechsel zum eVscope 2 kostet 4.699 € für einen Gewinn, der sich auf Okular und Sensor beschränkt: spürbar, aber ohne Wirkung auf das optische Feld oder die erreichbaren Objekte.
Sie stehen vor einem Gebrauchtgerät
Wir haben keinen belegten Gebrauchtpreis und erfinden auch keinen. Die Überlegung ist relativ: Der Abschlag muss einen Sensor der Vorgängergeneration aufwiegen, dessen Auflösung nicht einmal dokumentiert ist, an einem eingestellten Gerät ohne offizielles Datenblatt und ohne Herstellergarantie. Ist der Abstand zu den 4.699 € des eVscope 2 nicht deutlich, lohnt sich das Gebrauchtgerät nicht; ist er groß, bleibt die erste Generation vertretbar: gleiche Öffnung, gleiche Laufzeit und vor allem dasselbe Prinzip des elektronischen Okulars.
Für die Beobachtung in der Gruppe
Dafür ist das Okular da: Man reicht das Auge von einer Person zur nächsten weiter, statt ein Smartphone herumzugeben. Das eVscope 2 ist bequemer, doch ein funktionierendes eVscope von 2019 leistet das bereits.
Zum Fotografieren und Teilen
Klarer Vorteil für das eVscope 2: 7,7 MP, ein größeres Feld und 64 GB Speicher gegenüber einem undokumentierten Sensor und unbekanntem Speicher von 2019. Zählt das fertige Bild mehr als das Erlebnis am Auge, ist der Preisunterschied hier leichter zu rechtfertigen als anderswo.
Für Citizen Science
Beide Geräte stützen sich auf die Unistellar-App, ohne Abonnement. Die erste Generation bleibt nutzbar; wir haben allerdings keine gesicherte Information darüber, wie lange ein eingestelltes Modell noch Software-Unterstützung erhält.
Häufige Fragen
Warum die Herkunft der Daten zum eVscope von 2019 so betonen?
Weil Unistellar jedes Datenblatt zu diesem Modell zurückgezogen hat: Kein Wert der Spalte 2019 ist vom Hersteller bestätigt, sie stammen alle aus der Fachpresse. Bei einem Gebrauchtkauf ist das eine Information erster Ordnung.
Was bringt das Okular des eVscope 2 gegenüber dem von 2019?
Es ist mit Nikon entwickelt, während die erste Generation ein allein von Unistellar entwickeltes OLED nutzte. Es ist die unmittelbar auffälligste Änderung und arbeitet Hand in Hand mit dem feiner auflösenden Sensor.
Lässt sich ein eVscope von 2019 auf Okular oder Sensor des eVscope 2 aufrüsten?
Dazu liegen uns keine gesicherten Informationen vor, und der Hersteller veröffentlicht nichts mehr zu diesem Modell: Kaufen Sie das Gerät, das Sie wollen, nicht das, das Sie aufzurüsten hoffen.
Erlaubt das eVscope 2 äquatoriale Nachführung oder Mosaike?
Beides nein: Die Montierung ist azimutal, Mosaike werden nicht unterstützt. Bei der Generation 2019 fehlt der äquatoriale Modus ebenfalls, und Mosaik ist nicht dokumentiert.
Gibt es ein günstigeres Unistellar mit demselben Prinzip?
Nicht mit elektronischem Okular: Genau das trennt die eVscope-Reihe vom eQuinox 2, das nur am Bildschirm beobachtet wird. Die übrigen Abwägungen finden Sie in allen Vergleichen.